Funken, Flammen und Fabriken

Als Highlight im Kulturhauptstadtjahr 2010 präsentiert das LVR-Industriemuseum in Oberhausen ab dem 25. Juli die Sonderausstellung »Feuerländer - Regions of Vulcan« mit rund 200 Gemälden zur Arbeit in der Schwerindustrie in Europa und den USA.

Joseph-Fortuné Layraud, Le marteau-pilon, Forges et aciérie de Saint-Chamond: sortie d'une pièce de marine, 1889, Öl auf LeinwandJoseph-Fortuné Layraud, Le marteau-pilon, Forges et aciérie de Saint-Chamond: sortie d'une pièce de marine, 1889, Öl auf Leinwand (© Ècomusée de la Communauté le Creusot Montceau-Les-Mines, France; Foto: Daniel Busseuil)

Feuerspeiende Hochöfen und düstere Bergwerksstollen werden in den Bildern genauso gezeigt wie das Leben der Menschen in der Industriegesellschaft. »Feuerkult im Behrens-Bau« nennt sich der historische Teil der Ausstellung über das Industriebild zwischen 1780 und 1980, der Teil zur Gegenwartskunst in der Zinkfabrik Altenberg »Brandherde im Kesselhaus«.

Geschichte der harten Arbeit

Im Mittelpunkt der bislang größten internationalen Ausstellung des Hauses steht die Geschichte der Arbeit aus dem Blickwinkel der Kunst an Beispielen aus Bergbau sowie Eisen- und Stahlindustrie von 1800 bis heute. Die Künstlerinnen und Künstler feierten das Leben mit der Montanindustrie in zum Teil monumentalen Werken, beschworen und verdammten es jedoch auch. Vielfältig sind ihre Sichtweisen auf die entstehende Arbeitsgesellschaft. Das thematische Spektrum reicht von der Landschaftsmalerei über Darstellungen von Arbeit und Protest bis zu fast abstrakten Werken, die die Farbigkeit des Feuers in den Prozessen der Schwerindustrie darstellen wollen. Damit bietet die Ausstellung gleichzeitig einen Überblick über die Geschichte der Industriemalerei.

Am Anfang war das Feuer

Den Stoff für die Bilder liefern »Feuerländer«, europäische und amerikanische Regionen ‚vulkanischer’, also montanindustrieller Vergangenheit und Gegenwart. Schein und Widerschein der Flammen, Funken und Rauch faszinierten die Künstler daran. Die ästhetischen Möglichkeiten der Feuersbrunst machten die Schwerindustrie besonders bildwürdig. Eine andere Art des Feuers fand ab 1918 Einzug in die Darstellung der Maler: Die Bilder sollten auf beiden Seiten der
Front den Wehrwillen befeuern und das Durchhaltevermögen bestärken.

Aaron Harry Gorson, Industrial Scene, Pittsburg, 1928, Öl auf Leinwand.Aaron Harry Gorson, Industrial Scene, Pittsburg, 1928, Öl auf Leinwand (© Westmoreland Museum of American Art, Greensburg / Pennsylvania, USA).

Künstler der Ausstellung

Die künstlerische Auseinandersetzung um die sich entwickelnde Arbeitswelt, um die Richtung der Industriegesellschaft und ihre kapitalistische Wirtschaftsordnung wird in der Ausstellung an Werken aus Belgien, Niederlande, Spanien, Italien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Polen und den USA geführt. Zu den Stars der Ausstellung zählen Birkle, Bonhommé, Calvelli, Corinth, Felixmüller, Gessner, Gorson, Grossberg, Hoerle, Kirchner, Luyten, Rethel und Ritterbusch.

Highlights

Eines der imposantesten Werke der Ausstellung ist das Ölgemälde »Der Streik« des Belgiers Henry Luyten, das zwischen 1888 und 1893 entstand. Mit seinen drei Teilen erstreckt sich das Triptychon in der Ausstellung über mehr als elf Meter und setzt sich inhaltlich mit einem dramatischen Streik in Wallonien auseinander. Beeindruckend sind auch die spätexpressionistischen Werke »Kohlenbergarbeiter« und »Kohlenbergarbeiter auf dem Zechenhof« von Conrad Felixmüller aus den 1920er Jahren. Statt naturalistische Treue anzustreben, greift der Künstler zu eckigen Formen, körperlichen Deformationen, giftigen Farben, gewagten Kontrasten und breiten, verwischenden Pinselspuren. Ein Feuerwerk der Gegenwartsmalerei ist das Gemälde »Flowing Steel« von Klaus Ritterbusch von 1997, in dem sowohl Schönheit wie Schrecken der Industrie anhand der in einmaligen Rot- und Gelbtönen dargestellten Stahlproduktion zu Tage treten.

Feuerkult und Brandherde

»Feuerkult im Behrens-Bau« zeigt in ca. 140 Bildern und 13 Kapiteln, wie sich das Industriebild zwischen 1780 und 1980 im Angesicht der jeweiligen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage wie auch der Stilrichtung in der Kunst entwickelte. »Brandherde im Kesselhaus« an der Zinkfabrik Altenberg präsentiert weitere 60 Bilder, die zwischen 1980 und der Gegenwart entstanden sind. Die Arbeiten im Kesselhaus greifen aktuelle Debatten über den Wert der Arbeit in der digitalisierten Industriegesellschaft auf und diskutieren den Umgang mit den Überbleibseln der ausgemusterten Industriewelt.

Die Ausstellung bietet eine Reise durch Raum und Zeit der Industriekultur. Sie macht deutlich, wie Bilder nicht nur Realität spiegeln, sondern auch aktiv in politische Auseinandersetzungen eingreifen und Positionen beziehen.

Führungen durch die Ausstellung können gebucht werden bei der kulturinfo rheinland unter 02234 – 9921 555 (Mo-Fr 8-18 Uhr; Sa, So und an Feiertagen 10-15 Uhr). Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erhältlich. In einem Begleitprogramm bietet das LVR-Industriemuseum regelmäßig Sonntagsführungen, Künstlerführungen, Familienaktionen und Vorträge zum Thema Industrie und Kunst an. Eine spezielle Kinderebene ermöglicht den kleinen Besuchern, die Ausstellung über ein Ratespiel zu entdecken.

Weitere Informationen unter www.feuerlaender.lvr.de.

Wann?

Dauer der Ausstellung: 27. Juli bis 28. November 2010
Öffnungszeiten: Di-Fr 10.00-17.00 Uhr, Sa-So 11.00 – 18.00 Uhr

Wo?


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Eintrittspreise

Ticket (für beide Häuser): 5 Euro
Kombiticket »Feuerländer« und Dauerausstellung »SchwerIndustrie«: 7 Euro

(Quelle: PM der RUHR2010 GmbH)

23. Juli 2010, ts

Rubrik:
Kunst & Kultur
Region:
Ruhrgebiet
Tags:
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